Oberschule
Pressemitteilung des Schulelternrats
Zersplitterung der Schullandschaft „Wettlauf der Schulen“ im Landkreis Harburg
Vieles wurde geschrieben über die neue Oberschule, gepriesen von der Landesregierung, kritisiert von der Opposition, der GEW und Elternverbänden.
Was steckt dahinter?
Die Realschule Hittfeld hat sich gegen eine Oberschule ausgesprochen. Das hat mehrere Gründe:
- Eine konkrete pädagogische, inhaltliche und schulrechtliche Ausgestaltung fehlt bisher.
- Wie soll z.B. ein eingliedriger Gymnasialzweig einer Oberschule funktionieren?
- Wer setzt nach welchen Kriterien die gymnasiale Zuordnung der Schüler fest?
- Die gymnasiale Klasse soll ab der 6.Klasse nach den Lehrplänen des Gymnasiums unterrichtet werden. Wie soll so etwas an einer kleinen Oberschule mit einer Gymnasialklasse funktionieren? „Echte Gymnasiasten“ werden ein Ein-Klassengymnasium an einer Oberschule kaum wählen.
- Die Realschulen müssen im Zuge der „Weiterentwicklung der Realschulen“ auferlegte Profilbildung durchführen. Auch diese soll zum Schuljahr 2011/2012 gestartet werden und macht die Gestaltung eines gymnasialen Zweiges nahezu unmöglich.Auch in diesem Fall gibt es schon Probleme mit Fachkräften für die vorgegebenen Profilfächer; sie können gar nicht in der gewünschten Vielfalt angeboten werden.
- Die Stunden-u. Lehrerversorgung muss noch geklärt werden, zusätzlich die Berechnung der Arbeitszeit der Lehrer.
- Vor dem Hintergrund der demografischen Daten dürften Standorte wie Jesteburg doch gar nicht ernsthaft beraten werden, schon gar nicht nach den kürzlich vorgenommenen Sanierungen an der RS Hittfeld und Meckelfeld.
Der demografische Aspekt muss in der Gestaltung der Schullandschaft berücksichtigt werden, aber er rechtfertigt nicht die Wahnsinnsgeschwindigkeit, mit der die Landesregierung die Einführung der Oberschule vorantreibt.
Es werden politische Standortängste geschürt, die zum „Wettlauf der Schulen“ führen.
Wünschenswert wäre ein Gesamtkonzept der Schulstrukturen. Dazu müssten sich die unterschiedlichen Schulträger (Realschulen/Gymnasien=Landkreis, Hauptschulen=Gemeinde) an einen Tisch setzen.
Die Situation bzw. Konkurrenz zwischen Gesamtschulen und Oberschule ist zusätzlich noch ein Thema, über das man dringend sprechen muss.
Fazit:
Solange es noch so viele ungeklärte Fragen gibt, wird die RS Hittfeld keinen Antrag auf Oberschule stellen. Wir werden jedoch weiterhin daran arbeiten, die Schule für alle attraktiv zu gestalten.
Stellungnahme der Realschule Hittfeld
Stellungnahme der Realschule Hittfeld zum Thema Oberschule
Der Schulvorstand entscheidet aus folgenden Gründen, dass die Realschule Hittfeld vorläufig als selbstständige Realschule weitergeführt wird:
1. Das Kollegium der Realschule Hittfeld hat sich für die Beibehaltung der Schule als selbstständige Realschule ausgesprochen und lehnt die Einführung einer „Oberschule“ zum derzeitigen Zeitpunkt ab.
2. Der Schulelternrat spricht sich eindeutig für eine selbstständige Realschule aus.
3. Der Schülerrat stimmt der Beibehaltung der Schule als selbstständige Realschule einstimmig zu.
4. Die niedersächsische Landesregierung hat in ihrem Gesetzentwurf eines neuen niedersächsischen Schulgesetzes zwar verschiedene zukünftig mögliche Schulorganisationsformen aufgezeigt, Vorgaben für eine pädagogisch-inhaltliche Ausgestaltung der „Oberschule“ fehlen bis zum jetzigen Zeitpunkt jedoch.
5. Um eine valide Stellungnahme der Lehrer-, Eltern- und Schülerschaft zu erreichen und belastbare statistische Unterlagen vorlegen zu können, fehlt dem Schulträger die Zeit.
6. Die niedersächsischen Realschulen werden ihren SchülerInnen ab dem kommenden Schuljahr sog. „Profile“ anbieten. Diese Profile müssen inhaltlich gefüllt werden. Allein diese Neuerung erfordert erhebliches zusätzliches Engagement aller damit befassten KollegInnen.
7. Die Realschule Hittfeld genießt bei vielen Eltern und dem Landkreis Harburg als Schulträger trotz des konkurrierenden Schulangebots nach wie vor einen guten Ruf:
a. Es liegt ein klares pädagogisches, inhaltliches und organisatorisches Konzept vor, u.a. das Fachleistungskursprinzip in den Fächern Englisch und Mathematik. Hier erhalten leistungsstärkere SchülerInnen die Gelegenheit, sich zielgerichtet auf einen späteren Übergang in die Sekundarstufe II vorzubereiten.
b. Unsere Schule stößt in den Betrieben des Umlandes und Hamburg auf hohe Akzeptanz, d.h. Schulabgänger haben gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten und erfolgreich die Berufsausbildung zu beenden.
c. Über 35% unserer SchülerInnen erreichen den Erweiterten Sekundarabschluss I, wodurch der Übergang in die Sekundarstufe II (z.B. Gymnasien) im allgemeinen
ohne größere Probleme gemeistert wird.
d. Unsere SchülerInnen erhalten erstmals im Zusammenhang mit der neuen „Profilbildung“ die Gelegenheit neben Englisch und Französisch auch Spanisch zu Erlernen.
e. Es wird angestrebt, unsere Schule durch vermehrte Nachmittagsangebote noch attraktiver zu machen.
Der Schulvorstand und das Kollegium Hittfeld, den 15.03.2011

